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Influencer auf dem Harzer Hexenstieg

Influencer auf dem Hexenstieg

Ich hatte schon mal einen Kommentar zur Influencerin Sabrina Outdoor geschrieben und das wurde sogar ab und zu aufgerufen. Die Klicks sind aber nicht der Grund für eine Fortsetzung, sondern die hohe Anzahl der Youtube-Videos, die in den letzten Wochen auf dem Harzer Hexenstieg gedreht und anschließend veröffentlicht wurden.

Wieso werden wir aktuell von Outdoor-Videos überflutet?

Man könnte den Eindruck bekommen, dass irgendwie alle von einem Leben als Outdoor-Influencer à la Fritz Meinecke träumen. Gefühlt taucht in jedem Video #7versWild auf und sogar Bewerbungen für die nächste Folge hierfür werden auf dem Hexenstieg abgedreht. Diese Videoreihe von Deutschlands größtem Youtuber war ein voller Erfolg und die ein oder andere träumt vermutlich von einer Teilnahme.

Die Youtube-Videos werden größtenteils nach dem Influencer-Schema aufgenommen. I.d.R. starten die Akteure ihre Hexenstieg-Reihe mit einem Loadout. Hier wird erstmal gezeigt, welche Ausrüstung sie mitnehmen und was sie davon erwarten. Schon an dieser Stelle kann man gut erahnen, wie die weiteren Folgen auf dem Premium-Wanderweg durch den Harz ablaufen werden. Da wird dann stolz der Cumulus Panyam 6000 XLT gezeigt, den man sich geholt (irgendwie kauft heute keiner mehr) hat. Dann werden die Eckdaten genannt: Gewicht, Packmaß, bis zu wieviel Grad minus (ganz wichtig im Sommer) er geeignet ist usw.

Das ist alles ganz wichtig, denn der Harzer Hexenstieg ist einer der schwesten Wanderwege weltweit. Mitten in der Harzer Wildnis kann einiges passieren und man muss hierfür gut vorbereitet sein. WTF. Da sind echt die tollsten Sachen dabei, aber manchmal fehlen die einfachsten Sachen. Da war neulich wieder einer, der bei über 25°C und fettem Sonnenschein keine Kopfbedeckung dabei hatte, aber einen Schlafsack bis -25°C. Ähm … ja. Der ein oder andere träumt vermutlich von einem dicken Werbevertrag oder großem Amazon-Affiliate-Umsatz

Nur mal so zur Info: Der Harzer Hexenstieg liegt in Mitteldeutschland und verläuft von Osterode am Harz bis nach Thale. Gefühlt ist die max. Entfernung „in die Zivilisation“ so ca. 4km.
Vielleicht haben die Jungs einfach zuviel Fritz Meinecke geschaut, der mal bei seiner Harzer Durchschlageübung den Abbruch damit begründete, dass im Falle einer Verletzung / Krankheit die
Rettungskräfte Stunden brauchen würden, um sie zu erreichen. Er war da ca. 4km von der nächsten DRK-Rettungsstation entfernt. Also lediglich weit von der Realität entfernt.

Der ein oder andere macht nun den Fehler, im Loadout-Video zu sagen, in wieviel Etappen er den Harzer Hexenstieg bewältigen möchte. Darauf komme ich später noch einmal zurück.

Wandern auf dem Harzer Hexenstieg

Der junge Youtuber (bezogen auf seine Video-Erfahrung) begiebt sich nun mit eigentlich viel zu viel Gepäck auf dem Rücken (die meisten dichten noch ein Paar Kilo dazu) auf die Wandertour von Osterode nach Thale. Wer die Stecke kennt, weiß, dass die ersten Meter aus Osterode raus, sehr steil sind. Mit einem Puls von 150 wird dann mittels Selfie Stick noch mal das Vorhaben genannt und mit vollem Einsatz geht’s hoch in den Harz.

Das ist keine Hexe

Zwischen Osterode und dem Eselsplatz ist ein Hexenstieg-Infopunkt, bei dem es um die Harzer Kiepenfrauen geht. 5 von 10 Youtubern sind zu faul, sich den Text durchzulesen und bezeichnen die Frau mit Kopftuch als erste Hexe auf dem Harzer Hexenstieg. Was für Deppen.

Auch im weiteren Verlauf der Wanderung durch den Harz werden Highlights an der Strecke oft gar nicht beachtet oder falsch bezeichnet. Viele beschränken sich auf den Monolog mit dem Selfie Stick. Dann kann man doch einfach auch vor der Haustür wandern.

Lost im Harz

Mittlerweile kommentiere ich gerne „Lost im Harz“ unter den betreffenden Youtube-Videos. Der Fokus wird gefühlt zu 90% auf die Ausrüstung gelegt. Infos zur Strecke werden vorab selten eingeholt und vor allem auch die körperliche Vorbereitung ist für viele unwichtig. Ich muss schon immer lachen, wenn sich die Jung-Influencer im Video über den schweren Rucksack beschweren. Aber Lost im Harz bedeutet auch, dass sich der ein oder andere auf dem Harzer Hexenstieg verläuft. Ich bin mir an dieser Stelle nicht sicher, ob die Jungs das nicht merken oder hier eine Absicht vorliegt.

Weil man dann auch wenig Ahnung von der Strecke und der eigenen Kondition hat, werden die Etappen zu lang gewählt. Ich weiß, es würde keinen interessieren, wenn man den Hexenstieg in 4 Etappen macht, aber es kann leicht ins lächerliche gehen, wenn der Influencer bei km15 schon damit anfängt, Ausreden für den Abbruch der Wanderung auf dem Harzer Hexenstieg sucht. Ich erinnere mich hier besonders an einen Youtuber , dem auf der ersten Etappe einfällt, dass er 2 Tage später arbeiten muss und einen Tag davor zur Regeneration braucht. Er brach die Wanderung am 2. Tag ab. Das war natürlich eine krasse Ausrede, denn der Typ war konditionell am Ende –> Hatte aber den besten Schlafsack der Welt im Gepäck, den er im Loadout Video stolz präsentierte. Auch die beste Ausrüstung trägt einen nicht über den Fernwanderweg durch den Harz.

Übertreiben und Cheaten

Ich kenne den Harzer Hexenstieg wie meine Westentasche. Zeig mir eine 5sek-Sequenz aus einem Video und ich weiß, wo Du warst. Daher sehe ich es, wenn Wanderer sich verlaufen oder gar bewusst abkürzen. Das ist im Prinzip ja nichts schlimmes, aber wie dann mit den Kilometerzahlen geschummelt wird, ist unglaublich. Da war schon mal einer, der in Torfhaus (offziell ca. km33) von km50 sprach und glaubte, den halben Hexenstieg schon hinter sich zu haben. Ich hatte nicht gesehen, dass er sich verlaufen hatte. Er hat schlichtweg übertrieben, weil er anschließend die Wanderung abbrach. Der nächste übertreibt unbewusst, denn fortwährend schimpft und lamertiert er über den harten Wanderweg, der ihm alles abverlangt. Es ist der Versuch, eine Standard-Leistung in eine heroische Tat umzuwandeln. Aber sorry, den Harzer Hexenstieg in 3 Etappen zu laufen ist nichts besonderes. Du zeigst einfach nur, dass Du Dich schlecht vorbereitet hast.

Kommen wir nun zum Youtuber ++++++. Er kämpft sich auf der ersten Hexenstieg-Etappe bis nach Torfhaus und fühlt sich wie ein Held. Er spricht davon, dass es in Torfhaus eine Hütte zum Übernachten gibt. Davon habe ich noch nie gehört. In Torfhaus angekommen, endet das Video abrupt. Am nächsten Morgen erzählt er, dass er so fertig war, dass er keine Lust mehr hatte, die Kamera einzuschalten. So nebenbei sagt er, er habe in einer Bushaltestelle übernachtet, aus der er auch gerade filmt. Er sieht komplett frisch aus. Niemand wandert „mit Schmerzen“ 35km, schläft in einer Bushaltestelle DIREKT AN DER BUNDESSTRASSE und sieht am nächsten Tag wie neu geboren aus. Jeweils 50m von der Bushaltestelle entfernt ist die Jugendherberge und das Torfhaus Harzresort. Gegessen hatte er auch nichts – man kann später sehen, dass sein Outdoor-Food noch komplett ist (man sollte vielleicht kein Loadout machen). Im später gezeigten Track kann man sehen, dass er von ca. 21:00 bis 7:30Uhr nicht Bewegung war. Wer bleibt freiwillig 10 Stunden an einer Bundesstraße? Lediglich sein T-Shirt sprach für eine Übernachtung in der Bushaltestelle.

Fall 1 „Er hat wirklich in der Bushaltestelle übernachtet“:
Aber wieso filmt er es nicht, wenn er eine solche Übernachtung durchzieht? Schließlich geht es hier um Youtube-Content. Wieso geht er nicht 500m weiter, baut sein Zelt auf und schläft „in Ruhe“?

Fall 2 „Er hat in einer Unterkunft übernachtet“.
Ja und? Es ist doch völlig legitim, nach einem anstrengenden Wandertag in einem Bett zu schlafen. Das ist doch nicht peinlich. Hier der Hinweis auf Sabrina Outdoor, die völlig offen von der geplanten Outdoorübernachtung in eine Pension umgeschwenkt hat. Jedem sollte bewusst sein, dass das Publikum extrem kritisch ist und solche Dinge schnell aufgedeckt werden.

Der nächste Wanderinfluencer verwendet zur Ermittlung der zurückgelegten Strecke auf dem Harzer Hexenstieg einen Schrittzähler und kommt am Ende auf eine sagenhafte Strecke von Osterode nach Thale von 122km anstatt 97km. Im Video kann man genau sehen, dass er sogar 2x abkürzt. Sorry, verstehe ich nicht. Man sollte mind. Zweifel haben, wenn 25km mehr auf der Uhr sind.

Sinn und Unsinn von Outdoor-Food

Dieses Thema hatte ich ja schon einmal an anderer Stelle. Ich kann verstehen, wenn sich jemand völlig selber versorgen möchte. Doch gibt einem das 10,00€ Foodpack aus dem Plastikbeutel ein besseres Gefühl als eine schöne Mahlzeit in einem Biergarten direkt am Harzer Hexenstieg (ja, die gibt es)?

Liebe Influencer! Ich mag gute Outdoor- und Wandervideos. Diese Szene hat wirklich eine positive Auswirkung besonders auf die jungen Zuschauer, die hierdurch animiert zu werden, in die Natur gehen. Das ist super. Aber Euer erstes Ziel sollte es sein, selber Spaß an der Sache zu haben und vor allem Erlebnisse zu sammeln. Setzt die Ausrüstung und das Filmen nicht in den Vordergrund. Seid ehrlich mit den Viewern und Schauspielerei ist fehl am Platz.
Investiert nicht soviel in die Ausrüstung, sondern bereitet Euch körperlich auf das Wanderabenteuer vor. Mit den zum Teil gezeigten Leistungen seid Ihr von #7versWild weit entfernt … sollte das Euer Traum sein. Sicherlich will der ein oder andere Zuschauer Schmerzen, Scheitern, Qual & Co. sehen, aber das machen i.d.R. andere besser.

Und ja, ich muss mir die Videos ja nicht anschauen … gebe Euch aber gern ein Feedback.